1987 – knapp der Verbannung entgangen

Mitten in dieser dunklen Phase hörten wir, dass in Aschaffenburg Frequenzen ausgeschrieben werden sollten. Daher beschlossen wir, in Aschaffenburg Sendezeit zu beantragen und von Aschaffenburg nach Frankfurt „runter“ zu senden, denn technisch war das kein Problem.

Mitten in dieser dunklen Phase hörten wir, dass in Aschaffenburg Frequenzen ausgeschrieben werden sollten. Daher beschlossen wir, in Aschaffenburg Sendezeit zu beantragen und von Aschaffenburg nach Frankfurt „runter“ zu senden, denn technisch war das kein Problem.

Da bei UKW-Frequenzen die Reichweite grob gesprochen identisch ist mit der Sichtweite, ist Frankfurt mit den Radiowellen aus Aschaffenburg zu erreichen, denn von einem erhöhten Senderstandpunkt in Aschaffenburg liegt Frankfurt in Sichtweite. Wenn überhaupt, würden wir nur stundenweise Sendezeit bekommen, mehr hätten wir auch nicht gewollt. Immerhin, so dachten wir, konnten wir damit die Entwicklung in Frankfurt bzw. Hessen etwas vorantreiben. Ich traf mich also mit Vertretern der Anbietergemeinschaft in Aschaffenburg – lokalen Gewerbetreibenden und Privatfunkablegern –, mit denen wir so gar nichts gemeinsam hatten. Die wollten natürlich etwas ganz anderes als wir, vor allem aber wollten sie uns nicht.

Ein Handikap war, dass für einen Sendeantrag mindestens eine Person ihren Wohnsitz in Aschaffenburg haben musste. Für uns persönlich sprach, dass wir dort niemand kannten, lizenztechnisch gesehen sprach es aber gegen uns. Die Vorstellung, sich auch nur pro forma dort polizeilich anzumelden, war auch nicht verlockend. Mir fiel dann zum Glück eine Grafikerin ein, die aus Aschaffenburg stammte. Sie vermittelte uns den Kontakt zu einem Einwohner, der sich als, na ja, ch würde sagen, verkiffter Hippie entpuppte. Die Briefe wegen des Lizenzverfahrens gingen an ihn und wir Frankfurter haben dann alle wichtigen Termine wahrgenommen. Damit hatten wir alle formalen Voraussetzungen erfüllt und konnten einen Lizenzantrag stellen.

Ich erinnere mich noch an einen langen Nachmittag in „Bayrisch-Sibirien“ – so nennen die Bayern liebevoll Aschaffenburg -, an dem Walter E. Baumann und ich uns mit Vertretern der CDU verbal rum schlugen, die solche Großstadt-Exoten wie uns um jeden Preis loswerden wollten. Auch wenn ich inhaltlich das gar nicht akzeptieren konnte, was die CDU-Vertreter auftischten, war beeindruckend, mit welcher Zähigkeit sie diskutierten und mit welcher Ausdauer Walter E. Baumann in dieser Diskussion standhielt. Kaum war eines ihrer Argumente erfolgreich entkräftet, kam schon das nächste auf den Tisch. Das habe ich nicht ohne Respekt registriert.

Um uns in Aschaffenburg bekannt zu machen, gaben wir „X – Das Informationsmagazin von Radio X“ heraus und verteilten es von Hand in A-burg. Aber dazu mehr in einer anderen Episode.

Allerdings war der alles entscheidende Termin, bei dem es um die Lizenzzusage selbst ging, derartig kurzfristig angesetzt, dass wir nicht schnell genug von unseren Arbeitsplätzen in Frankfurt loskamen, um nach A-burg fahren. Unser Hippie-Repräsentant ging dann selbst hin. Anschließend berichtete er uns, wie er sich für seine Begriffe tapfer in dem Gespräch geschlagen hatte, aber uns war klar, dass wir verloren hatten.

Als dann die Absage aus München kam, waren wir schon eher erleichtert, dass uns die Verbannung nach Bayrisch-Sibirien erspart geblieben war, auch wenn sie nur stundenweise gewesen wäre.

Ludwig I. hat Aschaffenburg sein „Nizza am Main“ genannt. Wie unterschiedlich doch die Wahrnehmungen sein können.